Antoine Coysevox

Charles Antoine Coysevox (* 29. September 1640 -  †10. Oktober 1720) war ein französischer Bildhauer der im Stil des Barock unter dem König von Frankreich Louis des XIV. vor allem für seine Skulpturen zur Dekoration der Gärten und des Schlosses von Versailles sowie für seine Portraitbüsten bekannt war. Louis der XIV. bezeichnete ihn einst, als Bildhauer des Jahrhunderts.

Biografie

Hyacinthe Rigaud, Portrait de Antoine Coysevox (1704) -001

Coysevox wurde am 29. September 1640 in Lyon geboren. Er war der Sohn eines Bildhauers, der mit seiner Familie aus Franche-Comté ausgewandert war. Er begann schon im Kindesalter mit der Bildhauerei, indem er die Ornamente der Möbel seines Vaters reproduzierte. Bereits im Alter von 17 Jahren fertigte er seine erste Skulptur der Madonna. Coysevox kam 1657 nach Paris und schloss sich der Werkstatt des Bildhauers Louis Lerambert an. Er bildete sich weiter, indem er Kopien römischer Marmorskulpturen anfertigte, darunter eine Venus de Medici sowie Castor und Pollux. 1666 heiratete er Marguerite Quillerier, Leramberts Nichte, die nach nicht mal einem Jahr nach der Heirat starb. Im Jahr 1667 wurde er vom Bischof von Straßburg, Kardinal Fürstenberg beauftragt, sein Schloss in Saverne (Zabern) mit Statuen zu verschönern. Nach vierjähriger Tätigkeit in Saverne kehrte er 1671 nach Paris zurück. Seine Büste des Königsmalers Charles Le Brun brachte ihm 1676 die Aufnahme in die Académie Royale ein. 1679 heiratete er Claude Bourdict. Er wurde Teil eines außergewöhnlichen Teams von Bildhauern, Malern und Dekorateuren unter der Kontrolle von Le Brun, das zwischen 1677 und 1685 die Dekoration des Schlosses und der Gärten von Versailles produziert. Einer der bekannten Bildhauer der „Académie Royale de Peinture et de Sculpture"  war Francois Girardon, ein Zeitgenosse, der die Skulpturengruppe „Bad des Apollo“ (oder „Apollobäder“, franz.: „Bains d'Apollon“) erschuf.
Coysevox erzielte in den 1680er Jahren wachsende Erfolge, als sich der königliche Geschmack von der französischen Klassik zu einem lockeren, eher barocken Stil abwandte. Durch seinen Naturalismus und die Animation seiner Werke sieht er aber auch schon nach vorne zum Rokoko. Später, zwischen 1701 und 1709, als Louis der XIV. ein neues Schloss in Marly errichtete, wo er vor den Massen und Zeremonien in Versailles fliehen konnte schuf er mehrere Werke für dieses Anwesen. Coysevox stieg stetig in der künstlerischen Hierarchie auf. Er wurde 1678 Professor an der Royal Academy und 1702 Direktor mit einer jährlichen Rente von viertausend Livres. In dieser Position leitete er die Ausbildung einer Generation französischer Bildhauer, darunter die Kinder seiner Schwester Claudine, seine Neffen Nicolas Coustou (1659-1733) und Guillaume Coustou (1677-1746), die wichtige Persönlichkeiten der französischen Bildhauerei des frühen 18. Jahrhunderts wurden. Coysevox starb in seinem Privathaus in der Rue du Chantre am 10. Oktober 1720 in Paris.

Portraitbüsten

Le Brun Coysevox Louvre MR2156

Coysevox ist bekannt für seine Portraitbüsten und er stellte viele Büsten berühmter Männer und Frauen seiner Zeit her. Die Gesichter galten als bemerkenswert genau. Er schmeichelte seinen Auftraggebern nicht, sondern verlieh ihnen durch die Posen, Details und Präzision der Kostüme eine besondere Würde. Obwohl seine Aufträge für kirchliche und weltliche Würdenträger eher einer klassischen Linie folgten, verstand es Coysevox Portraitbüsten für seine Freunde sehr bewegt darzustellen und hob sich dadurch zu den damaligen Künstlern ab. Zu seinen Kunden gehörten Ludwig der XIV. (1686, Bronce, Louvre) und Ludwig der XV. in Versailles, Jean-Baptiste Colbert (die kniende Gestalt seines Grabes in Saint-Eustache), Kardinal Mazarin (in der Kirche des Collège des Quatre-Nations), Louis II de Bourbon, Louis II Grand Condé (im Louvre), Maria Theresia von Österreich, Henri de la Tour d'Auvergne, Vizegraf von Turenne, Emmanuel Théodose de la Tour d’Auvergne und de Polignac der Herzog von Chaulnes (in National Gallery of Art, Washington); Fénelon; Racine; André Le Nôtre (in der Kirche von St-Roch); Bossuet (im Louvre); der Graf von Harcourt; William Egon Kardinal Fürstenberg und Charles Le Brun (1676, Terracotta, Wallace Collection, London).

Monumentale Skulptur

Diana-mit-hund

Obwohl Coysevox für seine orginalgetreuen und natürlich gestalteten Portraitbüsten bekannt war, fertigte er auch eine Vielzahl monumentaler Skulpturen. Ein großer Teil seiner Arbeiten befindet sich im Schloss Versailles. Eines seiner berühmtesten Werke ist das große Stuckmedaillon Ludwigs des XIV. das im Salon des Krieges im Palast gefunden wurde. Der König wird zu Pferd als römischer Kaiser dargestellt und zertrampelt seine Feinde wie ein moderner Cäsar, der in die Zukunft blickt, als ihm eine Siegesfigur eine Krone aus Lorbeeren anbietet. Zu seinen Werken aus Marly zählen der Merkur und der Ruhm des Pferdesports (1702) sowie vier Gruppen, die für den Wasserfall im Schlosspark beauftragt wurden. La Seine und sein Anhänger an der Spitze der Kaskade, La Marne , Neptun und Amphitrite. Modelle aus wetterbeständigem Stuck wurden 1699 errichtet und 1705 durch Marmor ersetzt. Die Gruppen wurden 1796 als nationales Eigentum beschlagnahmt und zerstreut. Die Seine und die Marne gingen nach Saint-Cloud und der Neptun und Amphitrite verreisten 1801 nach Brest. Neben den oben genannten Werken hat er etwa ein Dutzend Grabdenkmäler aus Naturstein gehauen, darunter Colbert (in Saint-Eustache), Kardinal Mazarin (im Louvre) und den Hofmaler Le Brun (in der Kirche Saint Nicolas-du-Chardonnet). Zwischen 1708 und 1710 schuf Coysevox drei weitere Skulpturen für das Schloss in Marly, eine Pfanne (heute im Louvre), flankiert von einer Flora und einer Dryade (in den Tuileriengärten). Ein hochwertiges Terrakotta- Bozzetto oder eine Reduktion der Dryade, signiert und datiert mit 1709, befindet sich im Ashmolean Museum in Oxford. Für die Fassade der Kuppel der königlichen Kapelle von Les Invalides fertigte er eine Büste Karls des Großen an, die von einem anderen königlichen Bildhauer, Nicolas Coustou, an die Statue Ludwigs des XI. "Der Kluge" (1461-1483) angehängt wurde. Auf der oberen Ebene derselben Kapelle fertigte er eine Gruppe von Statuen an, die die Kardinaltugenden charakterisierten. Die späteren Arbeiten von Coysevox, zeigen eine ausgeprägte Tendenz zum Rokoko, ein Stil, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Kunstszene beherrschte. Ein Beispiel hierfür ist in seiner Statue der Herzogin von Burgund als Diana (1710, Musee du Chateau, Versailles) zu sehen. Die Herzogin wird als unbeschwerte Göttin der Jagd gezeigt - ihre Gesichtszüge und ihr Kleid sind fein geätzt, ihre Pose belebt.