Der Bildhauer Francois Girardon (1628-1715)

Der französische Bildhauer Francois Girardon gilt als Meister der klassischen monumentalen Statuen und arbeitete hauptsächlich in Versailes für König Ludwig XIV. Er war einer der renommiertesten Barockbildhauer Frankreichs. Girardon‘s zurückhaltende Ausdrucksweise in der Bildhauerei trug dazu bei, den bekannten französischen Stil der damaligen Zeit zu schaffen, der in ganz Europa nachgeahmt wurde und der Vorläufer der späteren neoklassizistischen Kunst war.

Biografie

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Girardon wurde am 10.März 1628 in Troyes in der französischen Champagne geboren. Als Junge studierte er die Kunst der Bildhauerei bei einem lokalen Tischlermeister und Holzschnitzer in seiner Heimatstadt Baudesson. Mit ihm soll er im Schloss von Liebault gearbeitet haben, wo er sofort die Aufmerksamkeit des damaligen französischen Kanzlers Pierre Seguier auf sich zog. Durch den Einfluss des Kanzlers wurde der junge Girardon vorerst nach Paris in das Atelier von Francois Anguier (1604-69) gebracht. Dieser war ein Spezialist für Grabstatuen. Anguiers Einfluss ist in Girardons späterem Werk Monument of Richelieu (1675-94, Kirche von Sorbonne, Paris) heute noch zu sehen.

Zeit in Rom

Nach der Lehre bei Anguier wurde er nach Rom geschickt. Über die Zeit in Rom ist nicht sehr viel bekannt. Es ist anzunehmen, dass er, wie alle namhaften Bildhauer, vor und nach seiner Zeit die antiken Hinterlassenschaften des römischen Reiches studierte und wohl auch die Werke des Michelangelo in sein Studium mit einbezog.

Wieder in Frankreich

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Im Jahre 1652 erscheint Girardon wieder in Frankreich, wo er sich in nahezu unwürdiger Unterwürfigkeit zum damaligen Hofmaler Charles Le Brun verhält. Francois Girardon soll sich selbst für unfähig erklärt haben, eine neue Skulpturengruppe zu erschaffen. Ob dies der Wahrheit entspricht oder ob Girardon dies aus politischen Motiven tat, ist heute unmöglich zu sagen. Eines ist aber sicher - ein Großteil seiner Arbeiten stammt von den Entwürfen des Hofmalers Charles Le Brun. Die Unterwürfigkeit, die Girardon dem „peintre du roi“ (Hofmaler) schenkte, wurde belohnt. In Versailles wurde ihm eine ungeheure Menge an Arbeiten anvertraut. Zu den wichtigsten Arbeiten zählt die Skulpturengruppe „Bad des Apollo“ (oder „Apollobäder“, franz.: „Bains d'Apollon“), welche der Sonnenkönig Louis der XIV. im Jahr 1666 beauftragte. Die „Bäder des Apoll“, die er zusammen mit Thomas Regnaudin über mehrere Jahre erschuf, ist das wahrscheinlich wichtigste Meisterwerk in Versailles.

Heirat und Ämter

Im Jahr 1657 heiratete Francois Girardon die Malerin Catherine Duchemin (1630-1698) und wurde Mitglied der „Académie Royale de Peinture et de Sculpture" (deusch: „Königliche Akademie für Malerei und Skulptur“). Seine Gattin folgte ihm als erste zugelassene Frau im Jahre 1663 in die Akademie. 1659 wurde er "professeur" (deutsch: „Professor“)und 1674 "adjoint à recteur" (de: „stellvertretender Rektor“). Im Jahre 1690 wurde er zum "Inspecteur General des ouvrages de sculpture" (deutsch: „Generalinspekteur für Bildhauerei“) ernannt. Es war ein Posten der Macht und des Profits. Und schließlich im Jahre 1695 wurde er "chancelier" (deutsch:“Kanzler“), das selbe Amt, welches sein Förderer aus der Jugend, Pierre Seguier innehatte.

Die letzten Jahre

Louis XIV statue equestre

Im Jahre 1699 mit 71 Jahren vollendete er ein Reiterstandbild aus Bronze, welches den Sonnenkönig Ludwig darstellte. Es wurde in der Stadt Paris auf dem Place Louis le Gran (heute: Place Vendôme) errichtet. Die Statue des Königs wurde aber leider während der Französischen Revolution eingeschmolzen. Francois Girardon erschuf in seiner Lebenszeit eine große Anzahl Marmorstatuen, Reliefs, Büsten, Bronzegruppen und Statuetten. Girardon blieb den Formen der französischen Plastik mit den klaren klassischen Renaissance-Einflüssen des 17. Jahrhunderts treu. Einige Kritiker halten Girardon bei der Gestaltung seiner Figuren konservativ und mutlos. Erst etwa siebzig Jahre später hielt der Neoklassizismus Einzug, in dem der italienische Bildhauer Antonio Canova mit seinen bewegten Skulpturen die führende Rolle in Europa einnahm. Francois Girardon starb am gleichen Tag wie Ludwig der XIV., am 1. September 1715 mit 87 Jahren in Paris.