Mudra (Handstellungen)

Jul262014

Mudra (Sanskrit: मुद्रा, bedeutet das "Emblem" oder "Siegel") ist eine Geste oder Gesten, die symbolische oder rituelle Bedeutungen im Hinduismus und Buddhismus haben. Bilder oder Skulpturen von asiatischen Göttern, haben fast immer eine bedeutungsvolle Handhaltung, die Mudras genannt werden. Es gibt verschiedene Mudras, die den ganzen Körper betreffen. Meistens werden die Mudras aber nur mit den Händen und Fingern gemacht. Mudra ist eine spirituelle Geste der Energie und Authentizität des Ausübenden und eine spirituelle Praktik in den religiösen Traditionen des Dharma und Taoismus.

Im Yoga werden Mudras in Verbindung mit yogischen Atemübungen, in der Regel,  in der Position des Schneidersitzes durchgeführt.

Ikonographie

Mudra ist eine viel verwendete Ikonographie der Kunst bei Hindus und Buddhisten. Es gibt Mudras die mit einer Hand oder auch mit zwei Händen ausgeführt werden. Die Mudra Positionen werden dabei normalerweise mit den Händen und Fingern ausgebildet. Zusammen mit der Körperhaltung bei der Meditation, kann die Mudra statisch, z.B.:  im Sitzen oder wie im Yoga dynamisch nach den Lehren des Hinduismus ausgeführt werden. Jede Mudra hat eine spezifische Wirkung für denjenigen, der sie ausübt. Viele gemeinsame Mudras können sowohl in der hinduistischen, wie in der buddhistischen Ikonografie gefunden werden. In einigen Regionen, wie in Thailand oder Laos sind die Formen oder Auslegungen der Mudras aber auch unterschiedlich.

Mudras im Yoga

Mudras sind die Grundformen in der Praxis des Yoga, die statisch oder dynamisch ausgeführt werden können. Zu den wichtigsten Mudras im Yoga gehören:

  • Chin Mudra
  • Chimaya Mudra
  • Adi Mudra
  • Brahma Mudra
  • Prana Mudra

Hintergrund der Mudras beim Yoga

Mudras beim Yoga sollen der Konzentration helfen und den Energiefluss im Körper regulieren. Ein Mudra soll hierbei die positive Wirkung der Yoga-Asana unterstützen. Im Kundalini-Yoga werden Mudras auch oft bei der Meditation eingesetzt. Bei der Ausübung einer Mudra sollen die verschiedenen Teile des Körpers, in Verbindung mit der Atmung stimuliert werden, um das Prana im Körper zu beeinflussen.
Ein nicht ganz unwesentlicher Aspekt ist, dass sich an den Fingerspitzen ganz viele Nervenfasern befinden, die bei Berührung (Akupressur) Impulse an Organe und das Nervensystem senden.

Mudras im Buddhismus

Auf den ersten Blick sind verschiedene Skulpturen von Buddha recht ähnlich, aber in der Tat gibt es auch Unterschiede. Die Unterschiede werden beim genaueren Blick sehr offensichtlich. Es ist die Haltung der Hand oder der sogenannten Mudra, die typisch für jede Plastik ist. Mudras sind im Buddhismus bei der Darstellung von Buddha auf Bildern oder in Form von Skulpturen weit verbreitet. Seit jeher schmücken unzählige Steinfiguren von Buddha die asiatischen Tempelanlagen. Zu den wichtigsten Mudras im Buddhismus gehören:

  • Abhaya Mudra
  • Bhumisparsha Mudra
  • Dharmachakra Mudra
  • Dhyana Mudra
  • Varada Mudra
  • Vajra Mudra
  • Vitarka Mudra
  • Jnana Mudra
  • Karana Mudra

Bedeutung einiger Mudras

Anjali Mudra

Buddha Anjali Mudra

Wohl kaum eine Mudra wird in Yogastunden so oft ausgeführt wie diese. Beim Anjali Mudra [Sanskrit: अञ्जलि मुद्रा (auch Namaste Mudra oder Atmanjali Mudra)] legt man die Handflächen in Herzhöhe zusammen. Die Fingerkuppen berühren sich dabei leicht und es entsteht ein kleiner Hohlraum zwischen den Handflächen. Die Finger weisen nach oben in Richtung Kinn. Die Anjali Mudra ist eine Gebetsgeste. Die Bedeutung dieser Mudra, ist die Gegensätzlichkeiten zueinander zu bringen. Beispiele wären: männlich – weiblich, Sonne – Mond, rational – emotional …etc.

Vitarka Mudra

Dewi sri vitarka mudra

Vitarka mudra (var. Witara Mudra) gilt als Geste der Diskussion und Übertragung der buddhistischen Lehre. Diese Pose hat eine große Anzahl von Varianten im ostasiatischen Mahayana -Buddhismus. In Tibet ist es die mystische Geste der Taras und Bodhisattvas mit einigen Unterschieden von den Gottheiten in Yab-Yum.

Die Vitarka Mudra wird Geste der Diskussion oder auch Argumentationsgeste genannt. Bei Vitarka Mudra ist der rechte Arm gebeugt. Die Hand ist erhoben und die Handfläche ist nach außen gerichtet. Diese Hand- oder Fingergeste führt die Spitze des Daumen und Zeigefinger zusammen, während die anderen Finger nach oben gerichtet oder gebogen sind. In der Nähe von Abhaya Mudra , ermöglicht die Vitara Mudra, dass die Energie für eine Übertragung von Wissen geschützt ist und ohne Angst behindert wird.

Hier wird Dewi Sri, eine indonesische Reisgöttin, die auf der Insel Java weite Verbreitung hat dargestellt.

Dharmachakra Mudra

Siwa (Shiva) aus dem Naturstein Basanit in Dharmachakra Mudra

Die Dharmachakra Mudra wird mit zwei Händen vor der Brust gemacht. Dies stellt das drehen des Rades Dharmas dar. Von dieser Mudra gibt es sehr viele Varianten. Einige Fresken in Japan weisen darauf hin, dass die Handstellung schon vor dem 9. Jahrhundert bekannt war.

Wara Mudra

COLLECTIE TROPENMUSEUM Boeddhabeeld van de Borobudur TMnr 60019835

Die Wara Mudra (weitere Varianten: Vara Mudra oder Varadha Mudra) ist ein Symbol für wohltätigen Spenden oder der Großzügigkeit. Weitere Interpretationen der Wara Mudra wären die Geste der Segensgewährung, Gnadenerweisung, Barmherzigkeit und des Mitleids. Auf den ersten Blick ähnelt diese Handstellung der Bhumisparsa Mudra. Der Unterschied besteht darin, dass die rechte Handfläche nach oben zeigt und die gestreckten Finger am rechten Knie aufliegen. Wara Mudra soll im Buddhismus an die Großherzigkeit und Güte Buddhas erinnern. Doch auch bei hinduistischen Skulpturen findet die Wara Mudra eine weite Verbreitung.

Abhaya Mudra

Dewi Sri Abhaya Mudra

Die Abhaya Mudra ist eine der ältesten Mudras. Im Hinduismus symbolisiert das Abhaya Mudra Schutz, Frieden und die Auflösung der Furcht.

Diese Pose mit der rechten aufrecht gehaltenen Handfläche nach vorn, symbolisiert die Furchtlosigkeit und ist auch eine Ermutigungsgeste. Die Hand ist zum Betrachter hin geöffnet. Im hinduistischen Kontext ist Abhaya Mudra, die Geste der Zuversicht und Sicherheit, eine Handhaltung, welche Furcht abwehrt und dem Anbetenden göttlichen Schutz und Glückseligkeit zuteilwerden lässt. Dies ist eines der frühesten Mudras, die man auf einer Anzahl hinduistischen, buddhistischen und jainistischen Bildern vorgefunden hat.

Im buddhistischen Tailand und Laos hat die Abhaya Mudra noch eine andere Bedeutung. Dort wurde wahrscheinlich schon vor dem Beginn des Buddhismus diese Mudra, als Symbol der guten Absichten und der Freundschaft bei der Annäherung an Fremden eingesetzt. Auf vielen Darstellungen wird die Geste von Buddha verwendet, wenn er von einem Elefanten angegriffen wird. Mann könnte diese Geste auch interpretieren mit der Bedeutung "Keinen Streit".

Dhiana Mudra

Buddha Dihana Mudra

Das Dihana Mudra (auch: Dhyana Mudra) ist die Geste der Meditation, der Konzentration und des Guten Gesetzes. Die beiden Hände liegen, mit den Handflächen nach oben, auf dem Schoß und die Finger sind voll gestreckt. Die Daumen sind diagonal übereinander gelegt und die anderen Finger ruhen aufeinander. Die Hände und Finger bilden die Form eines Dreiecks und sind Symbol für das geistige Feuer. Diese Übung wurde schon lange vor dem buddhistischen Glauben von Yogis für die Konzentration, Heilung, Meditation und Übung verwendet. Die Dihana Mudra wird stark im südostasiatischem Theravada- Buddhismus verwendet,  jedoch werden dort die Daumen gegen die Handflächen gelegt.

Bhumisparsa Mudra

Buddha aus Rhyolith mit Bhumisparsa mudra

Die Bhumisparsa Mudra ist einer der häufigsten ikonischen Darstellungen des Buddhismus. Die linke Hand liegt mit der Handfläche nach oben im Schoß. Die rechte Hand liegt auf dem rechten Knie und die Finger zeigen nach unten. Diese Mudra symbolisiert die "Erde als Zeuge" und die Unerschütterlichkeit des Buddha.

Die Bhumisparsa Mudra wird auch "Geste der Erleuchtung" genannt. Die rechte Hand berührt fast den Boden. Dies stellt den Moment der Erleuchtung Buddhas dar.

Quellen

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